Ein Bankkonto trotz Schufa-Eintrag eröffnen – geht das?

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Mit der Bonität ist es so eine Sache. Meist weiß man nie so genau, wie es um die eigene Kreditwürdigkeit steht – zumindest bis sie Probleme macht. Eine schwache Bonität führt in der Tat zu einigen Stolpersteinen, vor allem wenn es um Finanzprodukte geht. Banken lehnen Kunden mit negativer Kredithistorie nämlich häufig ab, da ihnen das Riskio eines erneuten Zahlungsausfalls zu hoch ist. Sogar die Eröffnung eines einfachen Girokontos wird so zum Unding.

Bonität, Schufa und Scoring

Die Bonität von Einzelpersonen wird über sogenannte Auskunfteien ermittelt. Die bekannteste Kreditauskunftei ist in Deutschland die Schufa. Sie speichert Daten zum Finanzverhalten von über 66 Millionen Privatpersonen und gibt diese auf Anfrage an kreditgebende Institutionen weiter. Im konkreten Fall einer Kontoeröffnung bedeutet dies Folgendes: Beantragen Sie ein Girokonto, informiert sich die Bank bei der Schufa über Ihre Kreditwürdigkeit und zwar indem sie eine Schufa-Auskunft einholt.

Doch wie ermittelt die Auskunftei, ob man eine gute oder schlechte Kreditwürdigkeit aufweist? Sie verwenden dazu ein komplexes mathematisches Berechnungsschema – auch als Kreditscoring bekannt. Die Bonität eines Kunden wird in erster Linie über den Schufa-Score angegeben. Der Score ist wiederum ein Wert zwischen 0 und 100 Prozent: Je höher der Schufa-Score desto besser die Kreditwürdigkeit des Kunden. Wer durch negative Schufa-Einträge einen niedrigen Score besitzt, verfügt über eine schwache Kreditwürdigkeit und hat somit geringe Chancen auf ein Girokonto.

Girokonto bei schwacher Bonität

Doch warum stellt eine negative Schufa ein Problem bei der Eröffnung eines Girokontos dar? Girokonten werden in der Regel inklusive Dispositionskredit angeboten – das bedeutet, dass man das Konto bei Bedarf überziehen kann. Da es sich hierbei um einen Kredit handelt, prüfen Banken die Bonität des Antragstellers. Hat der Interessent in der Vergangenheit seine Kreditraten nicht fristgerecht zurückgezahlt, seine Telefonrechnung nicht beglichen oder sonstige Schnitzer in seiner Kredithistorie, weist seine Schufa negative Einträge auf. Der Antrag auf ein Girokonto inklusive Dispokredit wird somit abgelehnt.

Guthabenkonten als Alternative

Den Alltag ohne ein Girokonto zu bewältigen, ist nahezu unmöglich. Basale, aber lebensnotwendige Geldgeschäfte wie das Empfangen des Gehalts oder das Überweisen der Miete sind ohne Bankkonto nicht möglich. Damit auch Personen mit einer schwachen Bonität am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilhaben können, gibt es sogenannte Guthabenkonten, die unabhängig von der jeweiligen Kreditwürdigkeit eröffnet werden können.

Ein Guthabenkonto – der Name sagt es bereits – funktioniert auf Guthabenbasis, eine Konoüberziehung ist demnach nicht möglich. Ansonsten besitzen Guthabenkonten alle Funktionen, die auch bei einem klassischen Girokonto mit Dispo enthalten sind. Wer ein solches Konto auf Guthabenbasis eröffnen möchte, sollte wissten, dass es mehrere Bezeichnungen für das Kontomodell gibt. So ist es als Bankkonto trotz Schufa, Basiskonto, Bürgerkonto und Jedermannkonto zu finden. Sogar für Geschäftskunden ist es möglich, ein Geschäftskonto ohne Schufa zu eröffnen. Während Kredite, Telefonverträge und Kreditkarten mit einer negativen Schufa nur schwer erhältlich sind, stellt das Guthabenkonto eine tolle Alternative dar, um trotzdem ein Bankkonto führen zu können.

Das Basiskonto für Jedermann

Seit Juni 2016 gibt es sogar ein Gesetz, das allen in Deutschland ansässigen Personen, das Recht auf ein Basiskonto einräumt. Bevor dieses Gesetz erlassen wurde, lag es im Ermessen der einzelnen Banken, ob sie auch Kunden mit einer schwachen Bonität annehmen. Nun sind sie dazu verpflichtet, ein Basiskonto in ihrem Produktportfolio zu führen. Berechtigt zum Eröffnen eines Basiskontos ist jede Person, die sich rechtmäßig in Deutschland aufhält, es gilt also unter anderem auch für Asylsuchende und Gedultete. Auch ohne festen Wohnsitz kann ein solches Konto geführt werden – für die Kontoeröffnung muss jedoch eine Adresse angegeben werden, die allerdings beispielsweise auch die Anschrift einer Beratungsstelle sein kann.

Bild: Bigstockphoto.com / Big blue

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